3 Ausmistmethoden in 3 Tagen – „goodbye, things“ von Fumio Sasaki

Nachdem ich an Tag 1 mit „Unstuffed“ von Ruth Soukup gestartet habe, ging es an Tag 2 mit dem Buch „goodbye, things“ (auf deutsch „Das kann doch weg!“) von Fumio Sasaki weiter.

Fumio Sasaki definiert Minimalismus folgendermaßen

  1. Reduzierung der notwendigen Dinge auf ein Minimum.
  2. Den Überfluss abschaffen, damit wir uns auf die Dinge fokussieren können, die wirklich wichtig sind.

Beim Lesen des Buches sind mir definitiv einige Widerstände bewusst geworden, die es bei mir gegen das Ausmisten gibt. Plötzlich fühlte sich meine Wohnung auch um einiges voller an als zuvor. So manches fand ich aber übertrieben und in einer Wohnung, die so leer ist wie auf den Bildern im Buch, möchte ich nur sehr ungerne leben. Trotzdem fühlte ich mich motiviert weiter zu machen und wieder einiges loszuwerden.

Im Buch beschreibt Sasaki was es bedeutet ein Minimalist zu sein, warum immer mehr Menschen Dinge loswerden wollen und aus welchen Gründen viele Menschen überhaupt so viel ansammeln. Er erzählt wie er sich verändert hat, seit er weniger besitzt und schreibt ein paar Worte darüber, was es bedeutet wirklich glücklich zu sein. In Kapitel 3 bekommt der Leser 55 Tipps um leichter von seinen Besitztümern Abschied nehmen zu können. Eine richtige Methode zum Ausmisten bekomme ich also auch in diesem Buch nicht an die Hand. 55 Tipps sind außerdem ganz schön viel und ich wusste kaum, wo ich anfangen soll.

Mein Plan war mir meine drei Stunden wieder in sieben Teile zu je 25 Minuten aufzuteilen. Vor jeder Einheit habe ich mir acht Tipps durchgelesen und mich dann in den folgenden 25 Minuten auf ein bis zwei Tipps konzentriert.

Tipp Nr. 4 – Frage dich, warum du dich von einem Ding nicht verabschieden kannst

Gründe Dinge nicht aussortieren zu können habe ich ganz schön viele gefunden. Ich schmeiße zum Beispiel ungerne Gurkengläschen und ähnliches weg, weil man die ja super verwenden könnte um Reis, Linsen etc. aufzubewahren. Mach ich ja auch, aber irgendwo sind Grenzen und ich sollte wenigstens mal die nicht so hübschen Gläser mit Klebespuren wegwerfen.

Ein weiterer gern gedachter Grund, ist, dass ich das ja irgendwann mal brauchen könnte, wenn ich Kinder habe. An sich finde ich das aber nicht schlecht. Gewisse Dinge später neu zu kaufen, nur, weil ich sie jetzt nicht aufbewahren will, finde ich blöd. Bei dem ein oder anderen Ding kann man aber bestimmt noch mal überdenken, ob man das wirklich braucht. Vor allem wäre es toll, wenn mir diese Dinge, die ich jetzt vielleicht noch Jahre nicht benutzen werde, nicht mehr unterkommen würden. Vielleicht sollte ich da mal eine Kiste packen.

Bei einigen Dingen, die ich gefunden habe, weiß ich, dass ich sie nie wieder benutzen möchte. Aber vielleicht könnte man sie ja mal verkaufen. Auch diese Dinge möchte ich jetzt alle an einem Ort sammeln und vor allem dann den Verkauf wirklich starten!

Mir sind auch Dinge untergekommen, die ich nie nutze, die aber prinzipiell noch gut sind. Zum Beispiel eine klappbare Bürste mit Spiegel. Allerdings habe ich in meiner Handtasche immer einen kleinen Taschenspiegel und eine schöne Holzbürste. Die Klappbürste habe ich schon Jahre nicht mehr benutzt. Auch ein paar Vorrichtungen, mit denen man Blumen bewässern kann, wenn man in den Urlaub fährt, habe ich gefunden. So richtig gut hat das nicht funktioniert, normalerweise überleben meine Pflanzen eine Woche Urlaub recht gut und für die Balkonpflanzen, die schnell austrocknen, muss ich sowieso jemanden bitten sie zu gießen. Vielleicht bekomme ich ja im Laufe des Ausmistprozesses noch die Stärke mich von diesen Dingen zu verabschieden. Sasaki schreibt ja auch, dass Ausmisten eine Fähigkeit ist, die man erstmal lernen muss.

Tipp Nr. 10 – Reduziere alles, was du mehrfach hast, auf ein Minimum & Tipp Nr. 14 – Mache Fotos, von Dingen, die du nicht wegschmeißen willst

Zum Foto machen, bin ich jetzt noch nicht gekommen, den Tipp merke ich mir aber für die Zukunft.

Als ich den Tipp über das Reduzieren von doppelten oder mehrfachen Dingen gelesen habe, fand ich ihn erstmal nicht so sinnvoll. Das Beispiel, das der Autor genutzt hat, waren Scheren. Gut, es kommt tatsächlich selten vor, dass ich und mein Freund gleichzeitig eine Schere brauchen, aber mehrere Scheren kann man doch bestimmt gut gebrauchen, wenn man mal Kinder hat, oder? 🙂

Bei anderen Dingen, die mir unterkamen, merkte ich dann aber doch schnell, dass ich oft unnötig viel von gewissen Dingen aufbewahre. Ähnlich wie bei den Gurkengläsern behalte ich mir gerne Kosmetikbehälter auf, um selbstgemachte Dinge einzufüllen. Und oft war das auch schon ganz praktisch für DIY Geschenke oder einfach, wenn ich mir mal wieder ein Haaröl oder ähnliches zusammenmixen wollte. Das Ding ist aber, das solche Behälter immer schneller nachkommen, als ich sie verbrauchen kann. Darum bin ich da jetzt einige losgeworden.

Tipp Nr. 20 – Vergiss „irgendwann“

Dass ich mein „irgendwann, wenn ich Kinder habe“ nicht loslassen möchte, wisst ihr ja bereits. Ich bin aber auch noch auf so einige andere Dinge gestoßen, die man „irgendwann“ mal brauchen könnte. Zum Beispiel die im Buch angesprochenen Zubehörteile für den Staubsauger. Wenn ich die in den letzten vier Jahren nie hervorgeholt habe, wird das wohl auch nicht mehr passieren. Mein Freund liebt es Kabel und übriggebliebenes Zubehör von Möbeln aufzubewahren und ich muss sagen, das war schon oft ganz nützlich. Natürlich könnte man die Dinge, wenn man sie braucht auch schnell im Baumarkt nachkaufen, aber hier siegt definitiv meine Seite, die Müll vermeiden und Geld sparen will.

Dennoch kann man es auch übertreiben und sich zumindest an Tipp 10 halten und nicht alles doppelt und dreifach für „irgendwann“ aufbewahren, wenn schon die Chancen, dass man es überhaupt mal brauchen wird eher gering sind.

Tipp Nr. 26 – Fühlen ob etwas Freude in einem weckt, hilft sich zu fokussieren

„Does it spark Joy?“. Diese Frage kennen bestimmt schon viele von euch aus dem Ausmistklassiker von Marie Kondo. Oft ist das eine sehr hilfreiche Frage. Beim Kabelaussortieren, dass ich in diesem Abschnitt gemacht habe, wohl eher nicht 🙂 .

Tipp Nr. 34 – Wenn du es verlieren würdest, würdest du es noch einmal kaufen?

Diesen Tipp benutze ich schon, allerdings in abgewandelter Form. Ich stelle mir vor es gäbe meine Sachen auf einem Flohmarkt zu kaufen. Wofür würde ich Geld ausgeben, um es wiederzubekommen? Dabei ist es egal, ob es mir viel wert wäre oder ich nur mehr 50 Cent dafür ausgeben würde.

In der Version von Sasaki, soll man sich fragen ob man den Gegenstand noch einmal in Neu zum Vollpreis kaufen würde. Er schreibt, dass man Dinge, die man nicht noch einmal zum Vollpreis kaufen würde, nur behält, weil sie gut genug sind. Gut genug ist laut ihm aber nicht gut genug. Ich finde allerdings, dass so eine Einstellung dazu führt, dass man mit seinen Sachen unzufrieden wird.

Mein Freund und ich schlafen beispielsweise auf meinem mittlerweile neun Jahre alten Malm Bett von Ikea, dass ich mir damals für meine Studenten-WG gekauft habe. Wir haben uns einen Memory Foam Matratzen Topper dazu gekauft und schlafen ganz wunderbar in dem Bett. Aber natürlich würde ich jetzt nicht losziehen und mir genau dieses Bett wieder kaufen. Auf meinem Flohmarkt würde ich aber bestimmt noch 200 € dafür bezahlen.

Tipp Nr. 43 – Was wäre, wenn du ganz von vorne anfangen würdest?

Die Dokumentation „My Stuff“ wollte ich mir schon länger ansehen. Darin geht es um einen Mann, der all seine Besitztümer einlagert. Am ersten Tag hat er gar nichts und holt sich zuerst seinen Mantel. Mit jedem Tag der vergeht, darf er sich eine Sache wieder zurückholen.

Der Durchschnittsösterreicher besitzt 10000 Dinge. Wenn er sich jeden Tag eine Sache zurückholen darf, wäre er 27 Jahre damit beschäftigt, bis er alle seine Sachen wieder hat. Ich bin mir zwar sicher, dass ich weniger als der Durchschnittsösterreicher besitze, aber ich bin auch auf ziemlich viele Dinge gestoßen, die ich mir dann wohl, wenn überhaupt, in einigen Jahren erst zurückholen würde. Ich glaube gerade für diese Dinge ist der Tipp mit dem Foto machen sehr geeignet.

Tipp Nr. 53 – Behalte dir die Dankbarkeit

Bei Dingen, die wir geschenkt bekommen haben oder die einem verstorbenen geliebten Menschen gehörten, plagt uns oft das schlechte Gewissen. Sasaki hält das für Energieverschwendung und findet es außerdem respektlos dem Schenker oder früheren Besitzer gegenüber. Viel schöner findet er es, wenn wir uns auf die Dankbarkeit fokussieren, die wir für die Person empfinden und uns von den Dingen verabschieden.

Bei diesem Schritt habe ich unter anderem sechs Handtaschen aussortiert, drei davon waren ein Geschenk und ich habe sie nie wirklich benutzt, aber tatsächlich aus schlechtem Gewissen behalten. Ich bin sowieso jemand, der im Grunde nur eine große Handtasche benutzt. Für ein paar verschiedene Anlässe habe ich jetzt noch vier kleinere Taschen behalten.

Fazit:

Anfangs war ich sehr skeptisch, ob mir die Tipps von Fumio Sasaki weiterhelfen können. Nicht alles was er schreibt finde ich gut. Ich muss aber sagen, dass in den drei Stunden super viel weitergegangen ist. Dadurch, dass ich nicht von Zimmer zu Zimmer wechseln musste, konnte ich mich wirklich auf ein paar Bereiche konzentrieren und ganz schön viel aussortieren. Die Bereiche musste ich mir allerdings selber überlegen und ich habe einfach wahllos einige Schubladen ausgemistet. Das Buch ist jetzt kein Meisterwerk, aber so einiges fand ich ganz interessant. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine schöne Challenge wäre, sich jeden Tag einen Tipp vorzunehmen und für 55 Tage täglich eine bestimmte Zeitlang auszumisten.

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Nach diesem erfolgreichen Tag 2 mache ich mich an Tag 3 an „Outer Order, Inner Calm“ von Gretchen Rubin!

Ausmistmethoden goodbye, things

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