3 Ausmistmethoden in 3 Tagen – „Unstuffed“ von Ruth Soukup

Seit Jahren bin ich immer mal wieder am Ausmisten, mit dem Ziel irgendwann wirklich nur mehr die Dinge zu haben, die ich wirklich möchte. Mir geht es dabei nicht um Minimalismus per se. Ich wünsche mir eine Erleichterung beim Aufräumen und Putzen und will bei einem möglichen Umzug nicht darüber nachdenken, was ich nun mitnehme und was nicht. Ich finde Räume gemütlich, die nicht allzu leer aussehen und in denen wirklich gelebt wird. Aber für all die Dinge, die da sind, möchte ich mich bewusst entscheiden.

Was mir wichtig ist beim Ausmisten

Mir liegt am Herzen nicht zu viel Müll zu produzieren. Deswegen benutze ich viele Dinge sehr lange, auch wenn sie nicht mehr besonders schick aussehen. Ich halte nichts von Regeln wie „Wenn du das Ding innerhalb von 20 Minuten und um weniger als 20 € kaufen kannst, kannst du es entsorgen“. So etwas finde ich unnötig und verschwenderisch.

Ich spare gerne Geld. Ich will mein Leben nicht damit verbringen, für schöne Dinge zu arbeiten. Deswegen habe ich auch kein Problem damit, wenn meine Vorratsregale etwas vollgestopft aussehen, weil ich die Dinge, die ich immer brauche dann kaufe, wenn sie in Aktion sind oder ich Gutscheine habe.  

Vorratsregal - Ausmisten

Meine bisherigen Erfahrungen mit dem Ausmisten

Die einzige Methode, die ich bisher getestet habe, ist die von Marie Kondo. Ich habe ihr Buch „the life-changing magic of tidying up“ (oder auf deutsch: „Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen ihr Leben verändert“) damals sehr gerne gelesen. Leider bin ich nie weiter gekommen als zum Kleiderkasten. Dort war die Methode aber sehr wirksam und der Schrank ist bis heute (drei Jahre später) immer noch ordentlich und die Kleidungsstücke werden nach der KonMari Methode gerollt.

Was mich dann aber abgehalten hat weiterzumachen, war der Aufwand des Ganzen. Alle Kleidungsstücke auf den Boden zu schmeißen, auszusortieren und dann auch noch den Schrank völlig anders zu strukturieren und einzuräumen hat schon einige Zeit gedauert. Bei den folgenden Kategorien habe ich mir das dann noch schlimmer vorgestellt, denn die anderen Dinge sind ja teilweise in der ganzen Wohnung verteilt. Ich hatte einfach keine Lust über den ganzen Ausmistprozess hinweg ständig Haufen an Zeug herumliegen zu haben. Man konnte auch nicht „mal ein bisschen“ ausmisten.

Ansonsten habe ich bisher einfach immer irgendwie nach meinen eigenen Regeln ausgemistet. Mal nach Zimmer, mal Lade für Lade, mal nach kleineren Kategorien. Ich bin stolz auf das, was ich schon geschafft habe und für einige Zimmer habe ich mir schon sehr gut funktionierende Systeme ausgedacht. Ganz am Ziel bin ich aber noch nicht und gewisse Bereiche, wie zum Beispiel meine Bücher, vermeide ich immer wieder. Deswegen habe ich mich jetzt entschlossen drei für mich unbekannte Ausmistmethoden zu testen. Der Plan ist pro Tag ein Buch in ca. zwei Stunden querzulesen und mir zu überlegen, wie ich die jeweilige Methode innerhalb von drei Stunden testen kann.

Bücherregal - Ausmisten

Tag 1: Ich starte mit „Unstuffed – Decluttering your Home, Mind & Soul“

Ruth Soukup beschreibt in ihrem Buch vier Grundregeln des Ausmistens, die sie unter dem Akronym FREE zusammenfasst:

  • F – Fight to Stop the Flow: Damit beschreibt sie den Kampf gegen uns selbst, die Werbung und eine konsumorientierte Gesellschaft. Man soll Versuchungen aus dem Weg gehen und nur das kaufen, was essentiell ist.
  • R – Reduce by Ruthlessly Purging: Alles was in den letzten 18 Monaten nicht benutzt wurde, muss gnadenlos entsorgt werden. Übrigbleiben sollen nur Dinge, die man liebt oder die einem nutzen.
  • E – Establish Strict Limits: Überall dort, wo die Dinge überhand nehmen, sollen strikte numerische Limits gesetzt werden. Beispielsweise soll man sich nur ein Werkzeug jeder Art oder acht Paar Schuhe erlauben.
  • E – Emphasize Quality over Quantitiy: Die langfristige Haltbarkeit der Dinge, die wir kaufen, soll wichtiger sein als kurzfristiges Sparen. Qualität vor Quantität.

Die „Unstuffed Weekend Challenge“

Als Startpunkt für ein langfristig angesetztes Ausmisten schlägt Ruth Soukup die „Unstuffed Weekend Challenge“ vor. Von Freitagnachmittag bis Sonntagabend soll man (eventuell gemeinsam mit seiner Familie), nichts anderes tun als Ausmisten. Ein genauer Zeitplan und Aktivitäten für den jeweiligen Zeitraum werden vorgegeben. Meist wird ein Timer für 90 Minuten gestellt und in dieser Zeit soll in einem bestimmten Bereich des Hauses gnadenlos so viel ausgemistet werden wie möglich. Außerdem sind Zeiten zum Verkaufen, Spenden oder Entsorgen eingeplant, denn die aussortierten Gegenstände sollen das Haus so schnell wie möglich verlassen.

Bevor es losgeht, sollen Kisten, Müllsäcke und Werkzeuge bereitgestellt und für schnell zubereitbare Mahlzeiten gesorgt werden.

Mein Plan war die Challenge so zu modifizieren, dass ich sie in drei Stunden schaffen kann. Ich habe alle Bereiche aus der Challenge gestrichen, die für mich nicht relevant waren. Die restlichen sieben Bereiche habe ich auf drei Stunden aufgeteilt, sodass ich für jeden Bereich 25 Minuten Zeit hatte. Nach den ersten vier Bereichen gab es eine Pause.

Der „Initial Blitz“

Alles was offensichtlich Müll ist oder nicht mehr benötigt wird, wird entfernt und auf Kisten oder Müllsäcke aufgeteilt. Dabei soll man sich einmal durch das ganze Haus arbeiten.

Der „Initital Blitz“ hat mir erst mal Probleme bereitet, da bei uns in der Wohnung, außer Papierkram, kaum Unnötiges herumliegt. Ich war also sehr versucht eher aufzuräumen als auszumisten und habe mich dann schnell an das Innenleben einer Lade gemacht. Dieser Schritt ist wohl eher für Leute gedacht, die im Chaos versinken und überall viel Müll und Zeug herumliegen haben. Trotzdem habe ich dank des Zeitdrucks, der lauten Musik, die ich angemacht habe und der Erinnerung gnadenlos zu sein, einige Dinge weggeworfen, die zuvor schon viele Ausmistrunden überlebt haben (Nagellacke und billigen alten Schmuck).

Der „Living Room Purge“

Übriger Müll soll entsorgt werden, Dinge die nicht in die Wohnräume gehören, werden in einer Kiste gesammelt. Bücher, CDs und Spiele sollen aussortiert werden. In den letzten zehn Minuten werden die Gegenstände aus der Kiste an ihren Platz zurückgeräumt und es soll staubgesaugt und staubgewischt werden.

Viel zum Sortieren bin ich in der kurzen Zeit nicht gekommen, vor allem da man hier ja auch aufräumen und putzen sollte. Aber mein Wohnzimmer ist jetzt wieder ordentlich, es wurde gesaugt, was mit drei Meerschweinchen theoretisch ständig nötig ist und die ein oder andere Sache wurde entsorgt oder zum verkaufen/ verschenken in eine Kiste gelegt.

Badezimmer und Toilette

Alle Regale und Laden sollen ausgeräumt und geputzt werden und ungenutzte Kosmetika und Accessoires sollen aussortiert werden. Am Ende sollen alle Oberflächen und der Boden gewischt werden.

Hier ist mir zu Gute gekommen, dass bei mir im Bad eine gute Ordnung herrscht. Ich habe immer nur die Dinge im Badezimmer, die ich aktuell nutze. Alles was ich mehrfach besitze wartet in einem anderen Zimmer, ordentlich sortiert in einem Schränkchen.  Ich konnte also in den 25 Minuten locker die wenigen überflüssigen Dinge aussortieren, saugen und alle Oberflächen reinigen.

Schlafzimmer

Das Prinzip ist wieder das gleiche: wegwerfen, aussortieren, Dinge, die in andere Räume gehören in eine Kiste geben und am Ende staubsaugen und staubwischen.

Bei uns im Schlafzimmer steht eigentlich nur ein Bett und eine kleine Kommode mit Dingen, die wir nur selten benutzen. Deswegen habe ich die Zeit genutzt mich über Möglichkeiten alte Bücher, CDs und Spiele loszuwerden zu informieren. Abschließend hab ich noch gesaugt und dabei meinen Kaffee auf meinem Bett verteilt 😉 .

Küche und Esszimmer – Teil 1

Abgelaufene Lebensmittel aus Kühl-, Gefrier- und Vorratsschränken sollen weggeworfen werden. Anschließend sollen alle Küchengeräte, Töpfe, Pfannen und Besteck herausgeräumt werden. Alles was nicht benutzt wird oder doppelt vorhanden ist soll aussortiert werden.

Kühl- und Gefrierschrank auszumisten war schon längst wieder einmal fällig. Bei Küchengeräten und Zubehör sieht es bei mir recht übersichtlich aus. Also habe ich erst den Gefrierschrank aussortiert und dann den Kühlschrank ausgeräumt, ausgemistet und geputzt.

Küche und Esszimmer – Teil 2

Die leergeräumten Schränke sollen geputzt werden und anschließend mit allem was behalten werden soll wieder eingeräumt werden. Auch Kühl- und Vorratsschränke sollen geputzt werden. Am Ende sollen alle Oberflächen gereinigt, Geschirr gespült und der Boden gewischt werden.

Da ich in 25 Minuten nicht fertig geworden bin, habe ich einfach weiter den Kühlschrank aussortiert und gereinigt.  Zu den anderen Aufgaben bin ich dann nicht mehr gekommen.

Der „Final Pass“

Zu guter Letzt soll man sich um alle Bereiche der Wohnung kümmern, die im Plan nicht vorgekommen sind. Man kann auch Projekte beenden, die in der vorgegebenen Zeit nicht geschafft wurden und noch einmal durch alle Räume gehen und überlegen, was man noch aussortieren könnte.

Den letzten Teil der Challenge habe ich damit verbracht die übrigen Räume zu saugen und noch das ein oder andere wegzuräumen.

Fazit:

Mir war bei der „Unstuffed Weekend Challenge“ nicht ganz klar worum es geht. Die Mischung aus Putzen und Ausmisten hat bei mir dazu geführt, dass ich weder das eine noch das andere ordentlich gemacht habe. Klar hatte ich andere Zeitlimits als in der Originalchallenge, aber ich habe ja auch schon viel vorgearbeitet. Wenn man wirklich sein ganzes Wochenende gemeinsam mit seiner Familie ausmistet und putzt, kann man bestimmt viel schaffen. Die Frage ist aber auch, ob man wirklich seine ganze Familie und sich selber motivieren kann, nach so einem straffen Zeitplan zu putzen. Ich habe ehrlich gesagt nach drei Stunden schon genug gehabt.

Meiner Meinung nach steckt hinter dem ganzen keine wirkliche Methode. Vermutlich hätte ich dasselbe Ergebnis erreicht, wenn ich mir einfach für drei Stunden einen Timer gestellt hätte und wahllos durch die Wohnung geräumt und geputzt hätte. Für Leute, die so viel Müll haben, dass sie nicht wissen wo sie loslegen sollen, ist so ein Putz- und Aufräumwochende bestimmt eine gute Möglichkeit in den Ausmistprozess zu starten, aber eine tatsächliche Anleitung, wie man effektiv ausmisten und die Dinge dann auch ordentlich und sinnvoll verstauen kann, findet man hier nicht.

Ruth Soukup schreibt sehr viel über ihre persönliche Geschichte. Kurz zusammengefasst lautet diese so: Sie hatte viele Dinge, ihr Mann hatte viele Dinge, die beiden haben einen sehr unterschiedlichen Geschmack, weswegen sie noch mehr Dinge gekauft haben, die Mutter starb, die Tante starb, also hatten sie noch mehr Dinge und Frau Soukup geht gerne shoppen.

Das Buch ist unterteilt in drei Teile: Home, Mind und Soul. In den letzten beiden Teilen wird es eher zu einem Selbsthilfebuch und Ruth Soukup gibt so weise Tipps wie „Entdecke, was dich entspannt und tue es“ oder „meide „frenemies“(Freundfeinde)“, denn angeblich umgeben wir Frauen uns gerne mit Leuten, die wir unsere Freunde nennen, aber insgeheim gar nicht mögen. Aha.

Wenn man nach einer nachhaltigen Methode sucht um Auszumisten, ist man hier an der falschen Stelle. Das Buch wirkt auf mich eher wie ein 101 für Shoppingsüchtige kombiniert mit Lebenstipps von Frau Soukup. Mir reichen die beiden Stunden, die ich mit querlesen verbracht habe, voll aus um zu entscheiden, dass es sich für mich nicht lohnt, mich noch mehr mit „Unstuffed“ zu beschäftigen.

***

Obwohl ich von dem Buch und der „Methode“ nicht begeistert war, bin ich trotzdem zufrieden mit dem, was ich an Tag 1 geschafft habe. An sich ist es nicht schlecht, dass jetzt erstmal alles halbwegs aufgeräumt und sauber ist, so kann ich mich dann an Tag 2 hoffentlich mehr aufs Ausmisten konzentrieren. Ich bin gespannt was mich da erwartet! Mein nächstes Buch wird „goodbye, things“ (auf deutsch: „Das kann doch weg!“) von Fumio Sasaki sein. An Tag 3 geht es dann mit „Outer Order, Inner Calm“ von Gretchen Rubin weiter.

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