Das Normalitätsprinzip und wie es hilft Entscheidungen zu treffen

Ich möchte euch heute ein Konzept vorstellen, dass sehr hilfreich sein kann, um Entscheidungen zu treffen. Gestolpert bin ich über dieses Prinzip bei dem Podcast „Die Lösung“, als es um das Thema Eifersucht ging.

Ich spreche vom Normalitätsprinzip. Bekannt wurde dieser Begriff durch Erwin Böhm und bezieht sich auf das Verhalten von Demenzkranken. Die Psychologin Verena Fiebiger von „Die Lösung“, hat damit aber etwas ganz Anderes gemeint und ich übernehme den Begriff in dieser Bedeutung. Die Ausführungen im folgenden Artikel haben also nichts mit dem Normalitätsprinzip nach Erwin Böhm zu tun. Ob es für das Normalitätsprinzip, so wie ich es beschreibe, einen anderen Namen gibt, konnte ich nicht herausfinden.

Das Normalitätsprinzip beschreibt, was eine Person in einer bestimmten Situation oder Beziehung gerne als „normal“ hätte. Nicht im Sinne von normal, wie es die Gesellschaft vorsieht oder wie der Durchschnittsmensch ist, sondern das eigene, persönliche Empfinden von normal. So wie man es sich wünschen würde.

Das Normalitätsprinzip in der Anwendung

Im Podcast ging es um folgende Situation: Eine junge Frau war in ihrer Beziehung aus verschiedensten Gründen sehr eifersüchtig. Wie es dann so oft passiert, begann ihr Freund Treffen mit weiblichen Freunden oder Exfreundinnen zu verschweigen, um unangenehme Situationen zu vermeiden. Würde sich der Freund fragen, was in einer für ihn guten Beziehung normal sein sollte, wäre die Antwort vermutlich, dass es möglich sein sollte sich mit Freunden jeglichen Geschlechts zu treffen und seiner Freundin davon zu erzählen. Nun kann er sich fragen, wie er nach dem Normalitätsprinzip am besten handeln könnte und käme vielleicht zu dem Schluss, dass er Treffen in Zukunft nicht mehr verschweigen und stattdessen offene Gespräche mit seiner Freundin suchen möchte.

Hilfreich im zwischenmenschlichen….

Besonders in zwischenmenschlichen Beziehungen fragt man sich oft „Soll ich dieses oder jenes ansprechen?“ oder „kann ich darum bitten?“. Die Antwort auf diese Fragen ist keineswegs klar und fällt für jede Person verschieden aus. Aber sich zu fragen, was man selber gerne als seine Normalität hätte, kann einem die Entscheidung sehr leicht machen.

Stellt euch vor, jemand überlegt hin und her, ob er eine Freundin bitten soll, ob sie ihn zur Autowerkstatt fahren kann und falls ja, wie er die Bitte formulieren soll und ob er vielleicht eine Gegenleistung anbieten soll. Denkt sich die Person „klar sollte das möglich sein in einer Freundschaft, ich würde die Freundin auch sofort in die Werkstatt bringen“ wird ihre Entscheidung anders ausfallen, als bei einer Person, die denkt „mir wäre es lieber, wenn mich meine Freundin nicht um solche Gefallen bitten würde, das würde mich nerven“.

Mir geht es oft so, dass ich in Situationen, bei denen ich nicht genau weiß, wie sie ablaufen werden, recht unsicher werde und gewisse Dinge dann lange vermeide. Ich habe es beispielsweise ewig hinausgezögert mein altes Sparbuch, dass ich nicht bei meiner Hausbank habe, aufzulösen. Im Internet habe ich gelesen es kann eine Kündigungsfrist geben und teure Gebühren. Irgendwie ist es mir dann auch peinlich nicht Bescheid zu wissen und in diesem Fall wollte ich die auch die Bank nicht enttäuschen 😉 .

Schließlich habe ich mich dann gefragt, wie ich es gerne „normal“ hätte. Ich fände es normal, wenn man nicht von sich erwartet, solche Dinge zu wissen, wenn man einfach zur Bank geht und fragt, wie es abläuft. Und ob die Bankangestellten beleidigt sind, wenn man das Geld dann bei der Konkurrenz einzahlt, sollte total egal sein, davon abgesehen, dass das sehr unwahrscheinlich ist. Mit dieser Vorstellung von Normalität im Hinterkopf ist es mir dann sehr leicht gefallen zur Bank zu fahren und endlich mein Sparbuch aufzulösen. Das Ganze hat mich dann übrigens unglaubliche 39 Cent gekostet und war in fünf Minuten erledigt.

… und im nichtzwischenmenschlichen Bereich

Auch im nichtzwischenmenschlichen Bereich ist das Normalitätsprinzip super nützlich. Soll ich die Bewerbung, die ich eben geschrieben habe abschicken? „Ja, denn ich finde es normal, nicht Stunden mit einer Bewerbung zu verbringen und alles hundertmal zu hinterfragen“. Oder „nein – ich finde es normal eine Nacht darüber zu schlafen und die Bewerbung morgen noch einmal zu lesen“.   

Kurz zusammengefasst:

  1. Identifiziert eine Situation, in der ihr euch unsicher fühlt und Probleme habt eine Entscheidung zu treffen.
  2. Fragt euch „Wie würde ich mir wünschen, das es abläuft, was soll bei mir normal sein?“.
  3. Handelt gemäß eurer persönlichen Vorstellung von Normalität.

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Beobachtet euch einfach mal bei den vielen großen und kleinen Entscheidungen in eurem Alltag und überlegt „wie sollte meine Normalität sein?“. Oft macht es diese simple Frage sehr einfach, schnell eine Entscheidung zu treffen!

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