Wie TEAM-CBT die Welt der Psychotherapie verbessern kann

Hinweis: Meine Artikel zu Psychologie und Psychotherapie sind immer sowohl für in der Behandlung tätige Berufsgruppen als auch für Personen, die sich in Therapie befinden oder sich selber helfen wollen geschrieben.

Ich möchte euch heute einen faszinierenden Therapieansatz aus den USA von Dr. David Burns vorstellen. Dr. Burns war in den 1980er Jahren maßgeblich an der Verbreitung der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) oder auf Englisch cognitive behavioral therapy (CBT) beteiligt. Er arbeitete mit Therapiegrößen wie Albert Ellis und Aaron Beck zusammen. Mit seinem Buch „Feeling Good: The New Mood Therapy“ schrieb er das erste Handbuch für Patienten und Menschen auf der ganzen Welt konnten die neuen Konzepte kennen lernen und selbst anwenden. Das Buch wurde unter anderem auch in Österreich und Deutschland unter dem Namen „Feeling Good – Depressionen überwinden, Selbstachtung gewinnen“ veröffentlicht.

In Dr. Burns langer Berufskarriere stieß er immer wieder auf die Grenzen der kognitiven Verhaltenstherapie und entwickelte im Laufe der Zeit neue Methoden und bediente sich Methoden aus anderen Therapierichtungen. TEAM ist wie ein Rahmen, den man in Kombination mit Methoden aus allen Therapierichtungen benutzen kann um die Therapie effektiver und wirksamer zu gestalten. Sein Motto lautet „Tools, not Schools of Therapy“. Das bedeutet, dass man, anstatt alle Probleme mit einer Therapierichtung lösen zu wollen, die Methoden benutzt, die für den jeweiligen Patienten am wirksamsten erscheinen. Trotzdem ist Dr. Burns überzeugt, dass Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie sehr viel bewirken können und hat jede Menge davon in seinem Repertoire.

T für Testing

Dr. Burns und andere TEAM Therapeuten benutzen vor und nach jeder Einheit Fragebögen, um einige wichtige Parameter bei ihren Patienten abzufragen. An dieser Stelle muss gesagt werden, dass TEAM-CBT Einheiten meist zwei bis drei Stunden anstatt der ansonsten üblichen 45 bis 50 Minuten dauern. Dr. Burns, der auch viel Forschung betrieben hat, hat herausgefunden, dass es Patienten sehr oft sehr schwer fällt auf die Frage „Wie geht es Ihnen?“ ehrlich zu antworten. Und Therapeuten gehen fälschlicherweise oft davon aus das Gefühlsleben ihrer Patienten akkurat einschätzen zu können.

Vor der Einheit füllen die Patientinnen einen kurzen Fragebogen zu ihrer Stimmung aus. Abgefragt werden Depression, Suizidalität, Ängstlichkeit, Ärger und einige positive Gefühle. Nach der Einheit füllen sie den selben Fragebogen erneut aus. So kann direkt überprüft werden, welchen Effekt die Einheit auf die Stimmung der Patienten hatte.

Zusätzlich bekommen die Patienten nach der Einheit noch einen Fragebogen zu ihrer Zufriedenheit mit der Therapie. Bewertet wird die Empathie der Therapeutin, die Nützlichkeit der Einheit, die Motivation Therapieaufgaben zuhause zu erledigen und das Vorhandensein von negativen Gefühlen während der Einheit. Außerdem können die Patienten angeben, was ihnen am besten und am wenigsten in der Einheit gefallen hat. In Dr. Burns Forschung hat sich gezeigt, dass Therapeuten ihre eigene Empathiefähigkeit und die Nützlichkeit der Einheiten nur schwer einschätzen können, obwohl sie überzeugt sind, dass sehr gut zu können.

E für Empathy

In der klassischen kognitiven Verhaltentherapie spielt Empathie keine große Rolle. Im Vordergrund steht der Einsatz der Methoden. Die Wichtigkeit der Empathie wurde vor allem durch die Arbeit von Carl Rogers und seiner klientenzentrierten Gesprächstherapie bekannt. Im TEAM Ansatz ist Empathie ein unverzichtbarer Bestandteil, um eine gute Beziehung zu den Patienten aufzubauen und den Einsatz anderer Methoden möglichst effektiv zu gestalten.

A für Agenda Setting

Agenda Setting ist nicht das, nachdem es im ersten Moment klingt. Es geht nicht darum ein Therapieziel zu entwickeln. Der volle Name dieses Bestandteils von TEAM lautet Paradoxical Agenda Setting, aber ganz glücklich ist Dr. Burns selber nicht mit dieser Bezeichnung, es passt halt gut ins Akronym 🙂 . Im Grunde geht es beim Agenda Setting um das Auflösen von Widerständen. Jedes Verhalten oder Gefühl, das ein Mensch zeigt, auch wenn es noch so destruktiv oder anstrengend für denjenigen ist, birgt auch Vorteile.

Jemand der aufgrund eines Überfalls besonders ängstlich ist, ist durch diese Angst möglicherweise auch besonders vorsichtig und schützt sich so vor weiteren Überfällen. Das ist die Outcome Resistance oder ein Widerstand gegen das Ergebnis. Der Patient will seine Angst nicht wirklich loswerden, da er befürchtet damit auch deren Schutzfunktion zu verlieren.

Die zweite Art von Widerstand ist die Process Resistance, also ein Widerstand gegen etwas, das im Therapieprozess passiert. Vielleicht möchte jemand mit Höhenangst seine Angst tatsächlich gerne loswerden, aber sich wirklich auf eine Brücke stellen, in den Abgrund schauen und sich mit seiner Angst auseinandersetzen, möchte er nicht.

Bei TEAM-CBT versucht der Therapeut nicht den Patienten zu überzeugen, dass er die Widerstände aufgeben muss. Stattdessen wird er quasi zum Widerstand und am Ende muss der Patient den Therapeuten überzeugen, dass er wirklich bereit ist, an seinen Problemen zu arbeiten. Ich weiß, das klingt kompliziert, weswegen auch ein Artikel zum Thema Widerstände in Planung ist. Dieser Teil ist enorm wichtig für den Therapieerfolg.

M für Methods

Nachdem die Patientin und der Therapeut eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut haben und Widerstände bearbeitet wurden, geht es an den Einsatz verschiedenster Methoden. An dieser Stelle kann jede Therapeutin auf ihren persönlichen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Dr. Burns verwendet über 100 Methoden, die er je nach Patient und Problem einsetzt. Ein zentraler Punkt ist auch die Durchführung von regelmäßigen Therapie Hausaufgaben. Das wichtigste Instrument ist dabei das Daily Mood Log. Dabei sucht sich der Patient eine spezifische Situation aus, indem es ihm schlecht ging. Anschließend ringelt er aus einer Liste von Gefühlen, diejenigen an, die er in der Situation gefühlt hat und bewertet, wie stark dieses Gefühl war. Dann schreibt er die Gedanken auf, die er in der Situation gedacht hat, identifiziert welche kognitiven Verzerrungen die Gedanken enthalten und ersetzt dann die verzerrten Gedanken durch nicht verzerrte. Am Ende wird beurteilt, wie sich die Stärke der Gefühle verändert hat.

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Dr. Burns hat eine Vielzahl an Büchern geschrieben (sein neues Buch über TEAM-CBT ist momentan noch in Arbeit), ihr findet jede Menge Informationen auf seiner Seite feelinggood.com und ich kann euch nur empfehlen mal in seinen „Feeling Good“ Podcast hineinzuhören.

Quellen:

Burns, D., Westra, H., Trockel, M., & Fisher, A. (2012) Motivation and Changes in Depression. Cognitive Therapy and Research DOI 10.1007/s10608-012-9458-3 Published online 22 April 2012

Hatcher, R. L., Barends, A., Hansell, J. & Gutfreund, M.J. (1995). Patients’ and therapists’ shared and unique views of the therapeutic alliance: An investigation using confirmatory factory analysis in a nested design. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 63(4), 636 – 643.

TEAM-CBT Psychotherapie

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